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Die Forschungsprojekte des Kriminologischen Dienstes

Der Kriminologische Dienst führt zurzeit folgende Forschungen durch:




Evaluation der niedersächsischen Sozialtherapie
(Kontakt: Dr. Stefan Suhling, Marcel Guéridon)

Die Evaluation der Sozialtherapie beinhaltet die stetige wissenschaftliche Begleitung und Überprüfung der sozialtherapeutischen Behandlungsarbeit in Niedersachsen. Zu diesem Zweck werden Daten über alle Täter, die in den sozialtherapeutischen Einrichtungen des niedersächsischen Justizvollzugs behandelt werden, anhand eines Dokumentationssystems erhoben.

Nach der Entlassung werden für einige Täter Informationen über die soziale Integration und für alle Täter Informationen zur Rückfälligkeit eingeholt.

Dabei lauten die Fragestellungen unter anderem:

  • Welche psychosozialen Merkmale weisen die sozialtherapeutisch Behandelten auf?
  • Welche Merkmale hängen mit Rückverlegung oder erfolgreichem Absolvieren der Sozialtherapie zusammen?
  • Wirkt sozialtherapeutische Behandlung? Werden die Absolventen der Sozialtherapie seltener oder anders rückfällig als unbehandelte Straftäter?
  • Sind Veränderungen im Lauf der Therapie (dynamische Risikofaktoren) geeignet, Legalbewährung bzw. Rückfälligkeit vorherzusagen?
  • Wie gestaltet sich die soziale Reintegration nach der Haftentlassung?
  • Welche anderen Faktoren wirken sich neben der Behandlung auf die Reintegration aus (bspw. soziale Beziehungen, finanzielle Situation, Konsum von Rauschmitteln, Arbeitsmarktintegration)?

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Suizidprävention
(Kontakt: Nicole Neumann, geb. Ansorge)

Im Rahmen der Suizidprävention werden seit Januar 2000 in einer Totalerhebung fortlaufend alle Suizide in Haftanstalten aller Bundesländer erfasst und ausgewertet. Die Totalerhebung wird bis zum Jahr 2019 fortgesetzt werden.

2012 ist ein Zwischenbericht über Suizide im Zeitraum 2000 bis 2010 fertig gestellt worden. In landes- und bundesweiten Arbeitsgruppen wurden Flyer für Bedienstete und solche für Gefangene (in 12 Sprachen) erstellt. Das Heft "Empfehlungen für die Aufnahme von Gefangenen" gibt Tipps zur konzeptuellen und räumlichen Gestaltung von Aufnahmeverfahren unter Beachtung suizidpräventiver Richtlinien.

Ziel der Studie ist es auf der einen Seite Kenntnisse über die Ursachen von Suiziden in Haftanstalten zu erlagen und andererseits mit diesem Wissen die Grundlage für präventives Arbeiten zu schaffen.

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Evaluation der Berufswegeplanung
(Kontakt: Ulrike Häßler und Dr. Susann Prätor)

Im Rahmen dieses Projekts erfolgt eine Evaluation der ab Oktober 2013 eingeführten Berufswegeplanung. Diese Berufswegeplanung sieht vor, dass schulische und berufliche Kenntnisse der Inhaftierten sowie deren Fähigkeiten und Kompetenzen ausführlich im Rahmen der Behandlungsuntersuchung erfasst werden und so zu einer adäquaten Zuweisung der Gefangenen zu den entsprechenden schulischen und beruflichen Maßnahmen in Haft führen, die nicht nur die Arbeitszufriedenheit und Passgenauigkeit der Tätigkeit in Haft, sondern auch die Vermittlung in Arbeit nach der Entlassung aus der Haft erhöhen soll.

Die Projektevaluation erfolgt in vier Pilotanstalten (JVA Meppen, JVA Bremervörde, JVA Sehnde, JVA Vechta Jungtäter) über einen Zeitraum von 12 Monaten bei allen ab Oktober aufgenommenen Gefangenen mit einer Mindestinhaftierungsdauer von sechs Monaten. Dabei erfolgt eine zufällige Zuweisung zu Versuchs- und Kontrollgruppe. Während bei letzteren das bisherige Verfahren der Zuweisung zu schulischen/beruflichen Maßnahmen zum Einsatz kommt, durchläuft die Versuchsgruppe die neu eingeführte Berufswegeplanung. Neben einer Befragung der Gefangenen nach etwa fünf Monaten werden ergänzend arbeitsbezogene Daten (aus Basis-Web) u.a. zu Wechsel von Maßnahmen, Abbrüchen, Fehltagen und das Vorhandensein einer Arbeit zum Zeitpunkt der Entlassung sowohl für die Versuchs- als auch die Kontrollgruppe betrachtet.

Abschlussbericht zur Evaluation des Pilotprojekts "Berufswegeplanung":

Prätor, S. / Häßler, U (2016). Evaluation des Pilotprojekts "Berufswegeplanung" - Abschlussbericht.

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Evaluation von Naikan
(Kontakt: Dr. Susann Prätor)

Für das selbstreflexive Meditationsverfahren Naikan (jap. "Innenschau") hat der Kriminologische Dienst ein Konzept zur Prozess- und Wirkungsevaluation im niedersächsischen Justizvollzug erarbeitet.

Im Rahmen von Naikan reflektieren die Teilnehmer die Beziehungen zu ihren wichtigsten Bezugspersonen und beschäftigen sich dabei mit folgenden Fragen:

  • Was hat diese Person mir Gutes getan?
  • Was habe ich dieser Person Gutes getan?
  • Welche Schwierigkeiten habe ich dieser Person bereitet?

Mit der Reflexion soll zum einen eine Veränderung der Interpretation der Vergangenheit erreicht werden.

Auf der anderen Seite können die Ergebnisse der Wirkungsevaluation von Naikan für den Justizvollzug wichtige Erkenntnisse für die Behandlung von Straffälligen liefern.

Ziel der Evaluation ist die Überprüfung der Frage, ob sich die Teilnahme an Naikan positiv auf das Vollzugsziel der Resozialisierung auswirkt.

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Evaluation der Erziehungs- und Förderplanung im Jugendvollzug
(Kontakt: Dr. Stefan Suhling)

Die zu Haftbeginn im Erziehungs- und Förderplan vorgesehenen Bildungs-, Ausbildungs- und verhaltensändernden Maßnahmen werden in der Jugendanstalt Hameln für jeden Inhaftierten in elektronischer Form (BeCo = Behandlungscontrolling-System) dokumentiert. Im Vollzugsverlauf wird der aktuelle Status dieser Behandlungsplanung erfasst und gegebenenfalls Alternativplanungen entworfen. Somit haben die Bediensteten eine gute Möglichkeit, eine Übersicht über Nachfrage und Angebot ihrer Maßnahmen zu bekommen. Am Ende der Inhaftierung wird ebenfalls dokumentiert, inwieweit der Behandlungsplan erfüllt oder nicht erfüllt wurde.

Die Aufgabe des Kriminologischen Dienstes ist die Auswertung dieses Datensatzes unter kriminologischen Gesichtspunkten.

Ziel der Evaluation ist dabei, die Diskrepanzen zwischen Bedarf und Kapazität sowie die Auswirkungen von Erfüllung bzw. Nicht-Erfüllung von Förderplänen und auf den Entlassungszeitpunkt und auf die Legalbewährung zu erfassen.

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Basisdokumentation im Frauenvollzug
(Kontakt: Dr. Susann Prätor)

Zur Situation von Frauen in Haft und deren Einfluss auf die Legalbewährung der Frauen nach Entlassung aus der Haft existieren im deutschsprachigen Raum bislang nur wenige empirische Befunde. Aus diesem Grund wurden vom 01.01.2004 bis 31.12.2004 Daten aller in diesem Zeitraum in Niedersachsen inhaftierten Frauen erhoben. Die Bediensteten der jeweiligen Anstalten wurden gebeten, u.a. Informationen zur familiären Situation, zur aktuellen Inhaftierung, zur vollzuglichen Planung, zum Vollzugsverlauf sowie zur Entlassungssituation und Prognosen/Perspektiven nach der Inhaftierung zu erfassen.

Zentrale Fragen der Studie waren u.a.:

  • Wie ist die persönliche Situation der Frauen (und ggf. Kinder) bei der Inhaftierung?
  • Wie entwickeln sich die Frauen während der Haft?
  • Welche Merkmale hängen mit Rückfälligkeit bzw. Legalbewährung zusammen?

Eine Rückfalluntersuchung unter Einbeziehung von Daten aus dem Bundeszentralregister wurde gerade abgeschlossen. Eine solche Datenerhebung im Frauenvollzug ist neu, eine vergleichbare Studie ist im deutschsprachigen Raum bislang nicht bekannt.

Abschlussbericht zur Basisdokumentation:
Prätor, S. (2013). Basisdokumentation im Frauenvollzug. Situation von Frauen in Haft und Auswirkungen auf die Legalbewährung. Forschungsbericht des Kriminologischen Dienstes im Bildungsinstitut des niedersächsischen Justizvollzuges.

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Evaluation des Jugendstrafvollzugs
(Kontakt: Dr. Susann Prätor)

Laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts wird seit dem Jahre 2006 verlangt, dass der Gesetzgeber sich bei der Ausgestaltung des Jugendstrafvollzuges unter anderem am Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse orientieren muss.

Daraufhin wurde auf Initiative des Strafvollzugsausschusses der Länder eine bundesländerübergreifende Arbeitgruppe gegründet mit dem Ziel, ein geeignetes Verfahren zur Evaluation des Jugendstrafvollzuges bzw. seiner Behandlungsmaßnahmen zu entwickeln.

Gemäß diesem Auftrag wurden zwei Ebenen der standardisierten Analyse erarbeitet, die sich einerseits auf die Strukturqualitätdes Jugendstrafvollzugs und andererseits auf fallbasierte Erhebungen des Status des Gefangenen zu Beginn und am Ende der Haft sowie den Haftverlauf erstrecken.

Niedersachsen beteiligt sich an den Vergleichen zur Strukturqualität. Die Daten hierfür erhebt die JA Hameln mit Unterstützung des Kriminologischen Dienstes, welcher auch an der länderübergreifenden Berichtserstellung mitwirkt.

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Evaluation von "Fit für Therapie"
(Kontakt: Ulrike Häßler)

Seit einigen Jahren durchlaufen in den niedersächsischen Justizvollzugsanstalten viele der süchtigen Gefangenen die Trainingsmaßnahme „Fit für Therapie", die auf die Entwöhnungsbehandlung nach der Entlassung durch Informationsvermittlung und Übungen vorbereiten soll.

Die Evaluationsstudie erfasste Daten von Gefangenen, die eine stationäre Drogentherapie nach der Entlassung beginnen. Die Betroffenen sowie die in der Suchtberatung der Anstalten tätigen Bediensteten lieferten Informationen zum Gefangenen und dessen Haftverlauf.

Ziel der Untersuchung ist einerseits die Prüfung, ob Gefangene, die an „Fit für Therapie" teilgenommen haben, mit höherer Wahrscheinlichkeit die Entwöhnungsbehandlung erfolgreich beenden. Andererseits werden darüber hinaus weitere Merkmale gesucht, die mit dem Erfolg bzw. Misserfolg der Drogentherapie zusammenhängen.

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Erhebung zum Vollzug der Sicherungsverwahrung und der vorgelagerten Freiheits- und Jugendstrafe
(Kontakt: Ulrike Häßler)

Der Strafvollzugsausschuss der Länder hat sich 2009 auf der 109. Tagung darauf verständigt, eine jährliche Erhebung zur länderübergreifenden Bestandsaufnahme der Situation des Vollzugs der Sicherungsverwahrung durchzuführen. Die Erhebung erfasst Strukturdaten über die laut Vollstreckungsplan zuständige Justizvollzugsanstalt, in der die Sicherungsverwahrung vollzogen wird und fallbezogene Daten über alle Personen, die sich in der Sicherungsverwahrung vorgelagerten Freiheits- oder Jugendstrafe oder in der Sicherungsverwahrung befinden. Der Schwerpunkt der Erhebung ist die Behandlung dieser Gruppen. Die Organisation der Datenerhebung erfolgt in den jeweiligen Bundesländern. Die Auswertung erfolgt zukünftig für das gesamte Bundesgebiet durch die Kriminologische Zentralstelle. Länderberichte können durch die jeweiligen Bundesländer aufgrund der dort vorliegenden Daten erstellt werden.

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Evaluation des Übergangsmanagements in Niedersachsen
(Kontakt: Marcel Guéridon / Dr. Stefan Suhling)

Seit Jahren gehört die Vorbereitung von Gefangenen auf die Entlassung und die Klärung wichtiger Aspekte der sozialen Integration zu den Schwerpunkten der Steuerung des Justizvollzugs sowie der ambulanten sozialen Dienste in Niedersachsen. Zur Verbesserung der Reintegration Straffälliger wurde daher eine Reihe von Maßnahmen initiiert.

Zur Begleitung dieser Reformen wurde 2010 eine Struktur- und Prozessevaluation in Auftrag gegeben (siehe Abschlussbericht Hollmann & Haas, 2012). Der Kriminologische Dienst hat darauf aufbauend Ende 2014 eine erneute Studie zur Zusammenarbeit zwischen Justizvollzug, Ambulantem Justizsozialdienst und den Anlaufstellen für Straffälligenhilfe durchgeführt. Die Gesamterhebung bei allen Personen, die im Übergangsmanagement (ÜM) tätig sind, ermöglicht ein aktuelles Bild der Prozesse rund um das ÜM und der Zusammenarbeit zwischen den Akteuren.

Darüber hinaus ist der Kriminologische Dienst in die Evaluation verschiedener Projekte im Bereich des Übergangsmanagements eingebunden (z.B. „JobAktiv“ in Uelzen sowie Projekten von bfw und Grone-Schulen).

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„Motivierende Gesprächsführung“ im niedersächsischen Justizvollzug
(Kontakt: Marcel Guéridon)

Das „Motivational Interviewing“ nach Miller & Rollnick wird über die Ausbildung von MultiplikatorInnen im niedersächsischen Justizvollzug implementiert. Um die Nachhaltigkeit der Schulung, die Akzeptanz der Methode und mögliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung zu beleuchten, führte der Kriminologische Dienst Ende 2015 eine Befragung des bisher geschulten Personals durch.

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